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1. Emotionaler Erguss: Bill – Nach dir kommt nichts


~*~
Ich fühl’ mich
besessen
von deinem Fluch
Vergessen
hab’ ich versucht
Zerfetz’ dein Tagebuch
ich find’ mich nicht auch wenn ich such’
~*~


Ich hab mich nie für diese Art von Mensch gehalten. Ich weiß, dass ich ein emotionaler Mensch bin, dass ich prinzipiell von meinen Emotionen gelenkt werde, aber ich dachte immer das irrationale Maß meiner Gefühle unter Kontrolle halten zu können. Ich kann hysterische Heulkrämpfe unterdrücken, wenn sie mich überfallen, weil ich zu viel Stress habe. Ich kann lächeln, auch wenn ich eigentlich lieber mit einem Baseballschläger teure Antiquitäten zertrümmern würde. Ich kann das alles, was für ein relativ zivilisiertes Nebeneinander nötig ist.

Genau deshalb ist es mir ja so unerklärlich, dass ich auf eine Projektion hereinfalle, die ich von der ersten Sekunde als solche durchschaut habe. Warum kann ich mit Hilfe meines Verstandes Irrationales verdrängen, nur dieses Verlangen ihm nah zu sein, es ihm gleich zu tun, nicht? Warum gerade diese idiotische Kinderschwärmerei nicht? Warum träume ich davon seine #1 zu sein, wenn ich genau weiß, dass ich es nie sein werde, unabhängig davon ob das überhaupt eine Frau schaffen kann oder die Musik für immer diesen Platz einnehmen wird?

Dieses Gefühl ist keine Verliebtheit. Ich war schon verliebt, ich weiß wie sich das anfühlt. Es ist eine dumme Schwärmerei eines Mädchens für einen Star. Der Gedanke an diese Gefühle ist mir peinlich und das Wissen sie mit 1000en anderen zu teilen erniedrigend.

Bei Zeiten glaube ich meine Schwärmerei unterscheide sich von der der anderen. Ich unterstelle ihnen ihm verfallen zu sein ohne zu wissen, dass dieser Junge, den sie „lieben“ ihr eigenes Ideal ist, das er perfekt vorgaukelt. Ich will mich ihnen überlegen fühlen, also pachte ich die rationale Erkenntnis um sein Fata Morgana Dasein allein für mich; um meinen Verstand, wenn er mein Herz schon nicht besiegen kann, über sie zu stellen.

Manchmal hilft mir das.
Meistens fühle ich mich dabei wie ein Ekel.

Schließlich hat mich mein ach so toller Verstand auch nicht davor geschützt mich derselben Projektion hinzugeben. Ist es nicht eigentlich viel schlimmer, dass ich TROTZDEM bei jedem seiner Worte an seinen Lippen hänge? Es ist erbärmlich wie ich versuche vor mir und allen anderen zu leugnen, dass er mein Leben viel mehr bestimmt als ich es möchte. Und dieses Gefühl, dass alle schon längst wissen, dass ich in meiner Schwärmerei hilflos gefangen bin, macht mich krank.

Und je mehr ich versuche diese Gefühle rational zu erklären und zu zerpflücken, desto schlimmer wird er. Er ist zu einer solchen Konstante in meinem Leben geworden, dass ich mich regelrecht besessen von ihm fühle. Als könnte er mich mit seinem klaren Blick verfluchen – und das obwohl ich ihm noch nie in natura begegnet bin. Es ist kindisch, es ist idiotisch, ich hasse mich dafür und kann ihn doch nicht vergessen.

Ich hab’ alles versucht. Weder mich ihm komplett zu entziehen noch mich Hals über Kopf in diese Schwärmerei zu stürzen um sie auszuschwitzen, hat funktioniert. Er ist omnipräsent wie immer und ich komme aus meiner Anhimmelei nicht mehr heraus.
Und wenn ich vor dem Spiegel stehe und mich frage ob ich ihm mit langen Haaren gefallen würde, oder ob er glauben würde ich trüge sie nur lang und schwarz weil er es tut, dann erkenne ich mich selbst nicht mehr. Wo ist das selbstbewusste Mädchen hin, das eine Meinung hatte und sie vertrat? Das daran glaubte für irgendeinen Jungen da draußen hübsch und schlank und intelligent genug zu sein? Das sich sicher war, vom „Glück dieser Erde“ nicht ausgeschlossen zu sein?

Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht wo diese Person, die ich als mein Ich bezeichnet habe abgeblieben ist. Ich weiß nicht ob was ich früher war eine einzige Maske war, ob ich jetzt lüge, oder das ganze ein natürlicher Entwicklungsprozess ist.
Und wenn letzteres zutrifft: Warum erst jetzt? Warum nicht mich 14/15, als alle durchgedreht sind? Warum jetzt wo jeder sein Ich, seinen Weg und seine Bestimmung gefunden zu haben scheint, nur ich nicht? Wieso passiert das mir? Wieso passiert das jetzt?

Gott, ich will, dass es aufhört.

Manchmal frage ich mich ob es besser würde, wenn ich ihm einmal begegnen würde. Ob ich einsehen könnte wie idiotisch ich mich verhalte, wenn ich mit ihm sprechen würde und von ihm hören, dass ICH alles bin was ER NICHT will. Oder ob ich seiner lächelnden Fassade nur weiter verfallen würde… Ich weiß es nicht. Ich werde es wahrscheinlich auch nie herausfinden.

In der Zwischenzeit versuche ich zu vergessen, dass er alles ist was ich sein will und nicht bin. Ich versuche zu vergessen, dass er so etwas wie mein absolutes Ideal geworden ist und in meinem Universum längst nichts mehr an ihn heranreicht.
Und gleichzeitig umgebe ich mich so oft wie möglich mit seinen Bildern, lausche stundenlang seiner Stimme und hasse mich dafür seine Körpersprache fast besser zu kennen als die mancher meiner Freunde

Er ist mein Fixstern und doch wünsch’ ich mir oft genug ich hätte erst gar nicht on ihm erfahren. Keine Ahnung, wie mein Leben dann verliefe, aber vielleicht würden mich nicht diese permanenten Selbstzweifel quälen ein Jahr älter zu sein als er und in meinem Leben vergleichsweise noch nichts erreicht zu haben. Vielleicht würde es auch keinen Unterschied machen, aber ich hasse ihn für die Art wie er mein Leben bestimmt und mich noch mehr dafür, dass ich es zulasse. Basically, he makes me feel like the biggest looser on earth. Ich wünschte, ich könnte von ihm lassen.


~*~
Nach dir kommt nichts
Uns’ren ersten Tag verfluch’ ich
Nach dir kommt nichts
Alles Neue macht mich fertig
Nach dir kommt nichts
Ich will das nicht
Du bist und warst und wirst nie wieder alles sein
Ich bin und war und werd’ nie wieder glücklich sein
Ich hasse dich
~*~

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